Schon BLEIFREI?

Das Thema „BLEIFREI“ wird in den letzten Jahren oft heiß diskutiert. Das macht es den Jägern nicht unbedingt leichter, denn schon die „Kaliberwahl“ ist für manche Weidmänner einfach zu viel – also .30-06.

In den vergangenen Jahren hatte ich die Möglichkeit, Erfahrungen mit verschiedenen Patronen, Geschossen und Wild zu machen. Als Jungjäger – vor 8 Jahren – war ICH es der sich mit der Kaliberfrage auseinander setzen musste. Wer kennt es nicht… 10 Jäger, 11 Meinungen.

Vorgeschichte

Damals hatte ich das große Glück, dass ich mich auf meinen Mentor – Hermann Traussnigg – verlassen konnte. Hermann ist vielfacher Welt-, Europa-, Staats- und Landesmeister in den verschiedensten Langwaffendisziplinen und Jäger mit Leib und Seele! Er vermittelte mir Grundkenntnisse – und einiges darüber hinaus – was den Umgang mit Waffen und das jagdliche Handwerk anbelangt.

Die Wahl fiel damals auf eine Blaser R93 Professional Camo Jagdmatch in 6,5×55. Diese Büchse wurde mir damals von Martin IDL neben der F3 als Wettkampfwaffe zur Verfügung gestellt.


Als es im Herbst mit den Drückjagden los ging, bekam meine R93 einen Wechsellauf im Kaliber .300 Win. Mag.. Diese Kombination war dann über Jahre hinweg meine absolute „Lieblingsbüchse“, mit der ich von Fuchs und Kitz bis zum schweren Keiler alles erlegte.

Der R93 wurde vor zwei Jahren von dem R8 Professional Succes Leder in .300 WSM. abgelöst, und ist derzeit mein 1er Jagdgewehr.

 

 

Den Großteil meiner Strecke schoss ich also im Kaliber .30 (neben den  .300ern auch noch im Kal. .308 Win.).

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass vor allem der Treffer und dann das Geschoss über mögliche gute oder schlechte Wirkung entscheiden.

EVO, Accubond, Partition, Gameking, Jaguar, MJG, AMAX, Mega, Schantl, ELD-X. In dieser Reihenfolge verwendete ich diese Geschosse auf der Jagd – .300er und .308 Win.

Die Wirkungsweise der abgebildeten Geschosse reichen vom schweren Deformationsgeschoss, über leichte Splittergranaten, bis mehr oder minder tauglichen BLEIFREIgeschossen.

An dieser Stelle sei es auch gleich erwähnt, ein schweres Verbundkerngeschoss ist kein Garant für einen sicheren Ausschuss, und eine schnelle Splittergranate keiner für blitzartige Tötungswirkung!

Bei dem Muffel hatte ich – mit EVO – einen Steckschuss am gegenüberliegenden Blatt, bei dem Böckchen flog es davon. Auweia!

So unterschiedlich die Wirkung mit Bleigeschossen ist, so unterschiedlich ist sie auch mit bleifreien Geschossen. Präzision war mit allen verwendeten Projektilen unter 2cm auf 100m – 5er Gruppe.

Bei der Wirkungsweise der bleifreien Geschosse, war von umwerfend bis Totalversagen alles dabei.

In Präzision, Wirkung und Wildverwertbarkeit hat mich nur ein bleifreies Geschoss wirklich überzeugt. Mit diesem habe ich ca. 25 Stk. geschossen und war eigentlich zufrieden… Allerdings packte mich dann das Long Range Fieber und ich musste neben den Sportgeschossen mit super hohen BC-Werten auch Jagdgeschosse verwenden, die denen zum „Lochbohren“, auf weit entfernte Ziele, ähnlich sind. Damals dachte ich „genau so muss es sein“…

Also landete ich bei weichen Splittergranaten wie AMAX oder ELD -M und -X.

Der Kompromiss

AMAX und ELD sind beides Geschosse, die auf leichtes Wild, auch über 300m eine „umwerfende“ Wirkung haben. Die Nachteile liegen aber auf der Hand. Teilweise recht hohe Wildbretentwertung, geringe Tiefenwirkung bei schwerem Wild und/oder kurzen Schussdistanzen.

Auf der anderen Seite machte ich sehr gute Erfahrungen mit dem RWS EVO. Kaum Wildbretverlust bei schwachen Stücken und überzeugende Momentanwirkung bei starkem Wild. Auch bei der Drückjagd meine bisherige absolute #1! Zu bemängeln sind teilweise lange Fluchtstrecken >50m bei Rehwild, mit Lungenschuss. Zudem ist das EVO auch kein ausgesprochenes Weitschussgeschoss und im Feld oder auf Wiesen muss man schon mal ordentlich drüber halten. Wenn’s schnell gehen muss eben hinderlich.

Je nach jagdlicher Situation oder Gegebenheit, war ich also mit ELD-X oder RWS EVO unterwegs. Ein ständiger Wechsel der Munition ist natürlich sehr lästig aber war für mich anders nicht vertretbar. Auf schweres Wild oder kurzen Schussdistanzen EVO und für die Weite ELD. Früher oder in meinem Fall später kommt man aber zur Einsicht, dass ständiges umschießen der Waffe und Wechsel der Geschosse keine Option mehr ist und wohl auch nicht mehr zeitgemäß!

alt und neu

Meine Lehre daraus

Nach langen Überlegungen, Gesprächen und persönlichen Erfahrungen stand für mich fest „Es muss sich was ändern!“. Wie bereits anfangs geschrieben bestimmt das Geschoss und Treffer die Wirkung, nicht die Hülse. Egal ob .308 Win. .300 WM WSM oder 7×64. Daher wird bei den Waffen nichts geändert SONDERN DAS GESCHOSS!

Das Geschoss

Jetzt stellte ich folgende Anforderungen an das moderne Jagdgeschoss.

  1. Ein Geschoss für (fast) jedes Wild.
    Das Geschoss muss bei leichtem Wild oder großer Distanz sicher „ansprechen“ und zum schnellen Verenden des Stückes führen. Ebenso muss es in der Lage sein, bei starken Stücken oder kurzer Distanz tief genug einzudringen um wichtige Organe zu zerstören.
  2. Verwertbares Wildbret.
    Abhängig vom Treffer darf dabei aber nicht zu viel Wildbret verloren gehen.
  3. Hohe Fertigungsqualität und Präzision.
    Ich setze voraus, dass die Geschosse von Los zu Los und innerhalb des Loses gleichbleibende Abmessungen, Gewicht und schlussendlich Wirkung gewährleisten.
  4. Reichweite und sichere Wirkung.
    Das moderne Jagdgeschoss muss in der Lage sein, auch auf weite Distanz, bei entsprechendem Schuss und Fähigkeiten diesen überhaupt erst abzugeben, ohne große Korrekturen am Zielfernrohr oder Haltepunkt sicher zu Wirken.

Das Ergebnis

Materialbedingt erfüllen also nur die bleifreien Varianten aus Kupfer oder Messing die Anforderungen von Wirkung in Breite, Tiefe und gestreckter Flugbahn.

Da ich mit den meisten Geschossen ohne Blei keine durchwegs guten Erfolge hinsichtlich der Wirkung erzielen konnte, bleibt nur noch eines aus Messing übrig. Einfaches Ausschlussverfahren, der Beste steht am Treppchen ganz oben!

Der Sieger ist also das MJG. Bisher habe ich die Geschosse der 3. Erbfolge (wie sie Herr Möller nennt) verladen und verschossen. Wie bereits erwähnt kamen wegen stetiger Suche nach Ver(schlecht)besserungen einige andere Geschosse dazwischen. Da ich nun einiges getestet und versucht habe, bestellte ich wieder das MJG, allerdings der 5. Erbfolge.

Messing Jagd Geschoss – MJG

Das MJG „Flitzer“ der 5. Generation ist also das einzige Jagdgeschoss, dass meine Anforderungen – zumindest bei derzeitigen Stand theoretisch – erfüllt.
Praktisch hat mich die 3. Generation bereits überzeugt.

Flitzer

 

Ein guter Jagdfreund, mein Vater und ich werden 2018 völlig bleifrei mit Flitzer in 6,5×55, .308 Win., .300 Win. Mag. und .300 WSM jagen.

Gute Aussichten

Ich freue mich schon, euch von unseren jagdlichen Tätigkeiten und Erfahrungen mit dem Flitzer berichten zu können.

Weidmannsheil
Martin


 

2 Antworten auf „Schon BLEIFREI?“

  1. Hallo Martin, ich verwende die schon seit einigen Jahrenin 8x57IS und bin sehr zufrieden, mein Bruder nimmt allerdings lieber das Reichenberg Ovigal geschoß da es viel Schnitthaar liefert, und so der Anschuß leicht zu finden ist. Allerdings ist der in der Entfernung etwas beschränkter

    1. Servus Reinhold, ich habe mit dem alten MJG einige Stücke geschossen und war sehr zufrieden. Präzision, Wirkung und Flugbahn. Hatte eigentlich nur eine Fluchtstrecke von ca. 40m, Diagonalschuss von hinten. Schweiß nach ca. 10m. HDB kam für mich nie in Frage. Habe leider die 5. Erfbfolge noch nicht auf Wild versuchen können, aber der Beschussversuch war sehr erfolgreich – dazu im nächsten Artikel mehr ;-).

      Weidmannsheil
      Martin

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